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Studiengänge der Umweltinformatik

In diesem Artikel wird ein Überblick über die Studienmöglichkeiten in Deutschland und in Europa gegeben. Es werden dabei  vornehmlich Studiengänge, die gemäß der Empfehlungen der Gesellschaft für Informatik  für Bachelor- und Masterprogramme im Studienfach Informatik an Hochschulen (Stand Dezember 2005) den Klassifizierungen gemäß Typ 1 und Typ 2 zuzurechnen sind, betrachtet (GI-Empfehlungen).  Daher werden vornehmlich nur Studiengänge genannt, bei denen es sich um Studiengänge der Informatik,  für die die Informatik alleine verantwortlich ist (Typ 1), oder um Informatik-Studiengänge mit einem speziellen Anwendungsbereich, für die Informatik in Absprache mit dem beteiligten Anwendungsfach verantwortlich ist (Typ 2), handelt.

Ferner wird auch ein Blick über den „Tellerrand“ gewagt und auf Masterprogramme in Frankreich und England hingewiesen. Interessanterweise finden sich in diesen Ländern keine Bachelorprogramme gemäß obiger GI-Klassifikation, die sich mit der Umweltinformatik befassen.

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wenngleich eine gründliche Recherche über eine Literatursynopsis, verfügbare Internetseiten durchgeführt worden ist.

Studienmöglichkeiten in Deutschland

In Deutschland wird an sechs Hochschulen Studiengänge zur Umweltinformatik oder vergleichbaren Studiengängen gemäß der genannten GI-Klassifikation angeboten. Darunter befinden sich sieben Bachelor-, fünf Masterstudiengänge und ein duales Studium. Die Leistungspunktvergabe (Credit Points= CP) erfolgt nach dem „European Credit Transfer and  Accumulation System“.

Bayreuth

Die Universität Bayreuth bietet Angewandte Informatik als konsekutiven Bachelor- Masterstudiengang mit dem Studienschwerpunkt Umweltinformatik an (Universität Bayreuth). Im Bachelor kann zwischen den Vertiefungsrichtungen Modellbildung, Umweltchemie oder Boden/Wasser/Luft gewählt werden. Hierbei ist die Ausbildung in den Bereichen Informatik, Mathematik sowie in den interdisziplinären Veranstaltungen für alle Richtungen gleich. Unterschiede ergeben sich hier in der Wahl der Anwen-dungsfächer, wobei Veranstaltungen aus den Bereichen Chemie, Hydrologie, Atmosphäre und Bo-denkunde zur Verfügung stehen. Anhand der Verteilung von Leistungspunkten auf Informatik (80 CP) und Anwendungsbereich (52 CP) kommt der Studiengang einem Typ 2 gemäß der GI-Klassifikation nahe.

Im Masterstudiengang Angewandte Informatik können die Vertiefungsrichtungen Hydrologie oder Bodenökologie gewählt werden. Hierbei folgt der Studiengang jedoch keinem standardisierten Curri-culum sondern orientiert sich an den Forschungsschwerpunkten der Dozenten. Die Leistungspunkte-verteilung sieht vor, dass je 30 Credit Points fest auf die Bereiche Informatik und Anwendungsgebiet vergeben werden sowie 12 Credit Points verpflichtend auf dem Gebiet Seminare und Praktika zu erlangen sind. Da 18 Credit Points bei der Wahl von Veranstaltungen aus den eben genannten Bereichen zu vergeben sind, kann die letztendliche Verteilung der Leistungspunkte recht unterschiedlich ausfallen. Jedoch ist auch hier am ehesten ein Studiengang vom Typ 2 zu erwarten.

Berlin

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin bietet ein konsekutives Studienprogramm der be-trieblichen Umweltinformatik (BUI) an, dem als spezielles Anwendungsfeld der betriebliche, produk-tionsintegrierte Umweltschutz zugrunde liegt (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin). Der Bachelorstudiengang entspricht mit seinem Anteil an Informatik (66 CP), Anwendungsbereich Wirtschaftswissenschaften (38 Credit Points) und dem mathematisch, naturwissenschaftlich, ingenieurwissenschaftlich-technischem Bereich (31 CP) den Anforderungen vom Typ 2.  Es werden Lehrinhalte im Bereich der Angewandten Informatik zu Datenbanken, Programmierung, betrieblichen Umweltinformationssystemen (BUIS), Webtechnologien und Umweltmanagement behandelt.  Der Masterstudiengang hat sich zum Ziel gesetzt, den Studierenden Leitungskompetenzen bei komplexen Projekten der betrieblichen Umweltinformatik zu vermitteln und behandelt zudem vertiefte Kenntnisse aus der Informatik, insbesondere der Modell-bildung und Simulation, Softwarequalität und Entscheidungsunterstützungssystemen. Mittels Brü-ckenkursen werden auch anderen Informatikabsolventen oder Absolventen wirtschaftswissenschaft-licher oder ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge, die nicht an der HTW den Bachelorstudiengang BUI absolviert haben, die Möglichkeit gegeben, den Masterstudiengang zu belegen. Der Master-Studiengang ist ebenfalls dem Typ 2 zuzuordnen. Insgesamt kann der hohe Praxisbezug der genannten Studiengänge in Form eines Praktikums (15 CP) oder Studienprojekte in  KMUs (18 CP) als Allein-stellungsmerkmal des Berliner Studienprogammes gesehen werden.

Göttingen

Die Georg-August Universität Göttingen bietet einen Masterstudiengang Angewandte Informatik mit der Ausrichtung Ökoinformatik / Waldökosystem (Georg August Universität Göttingen). Dieser baut auf den Bachelor Angewandte Informatik auf, in dem bereits Wahlnebenfächer oder Wahlanwendungsfächer aus diesem Bereich belegt werden konnten. Da der Bachelorstudiengang aber nicht die spezielle Ausrichtung Umweltin-formatik hat, wird auf ihn hier auch nicht weiter eingegangen. Der Leistungspunktverteilung des Masterstudiengangs nach Kerninformatik (31 CP), Ökoinformatik (18 CP), Anwendungsfach Forstwis-senschaften (18 CP) sowie der Projektarbeit (20 CP) deren Leistungspunkte anteilig auf die drei ge-nannte Bereiche entfallen ergibt sich auch hier ein Studiengang vom Typ 2.

Lüneburg
 

Die Leuphana Universität Lüneburg bietet ein zu den bisher vorgestellten Studiengängen unter-schiedliches Studienmodell, den so genannten  Leuphana Bachelor (Leuphana Universität Lüneburg / Leuphana College). Dieser gliedert sich in einen Major (90 CP), einen Minor (30 CP), ein Komplementärstudium (30 CP) und das Leuphana Semester (30 CP). Das Leuphana Semester sowie das Komplementärstudium werden von Studierenden aller Fachdisziplinen gemeinsam absolviert und bieten einen Einblick in andere Disziplinen. In Lüneburg kann ein Major in Informatik oder Wirtschaftsinformatik mit einem Minor in Nachhaltiger Entwicklung kombiniert werden. In der Kombination mit Informatik ergibt sich ein Informatikanteil von 75 Credit Points und bei Wirtschaftsinformatik von 60 Credit Points. Beide entsprechen damit einem Studiengang vom Typ 2. Die Inhalte des Minors Nachhaltige Entwicklung (30 CP) sind eher geisteswissenschaftlich ausgelegt. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Major in Umweltwissenschaften mit einem Minor in Angewandter Informatik zu kombinieren. Aufgrund des sehr geringen Informatikanteils kann man in diesem Fall von einer Zusatzqualifikation im Bereich Informatik sprechen aber nicht von einem Informatikstudiengang.

Oldenburg

Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg bietet im Bachelor-Studiengang Informatik den Studien-schwerpunkt Umweltinformatik an (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg). Dabei besteht für die Studierenden die Möglichkeit, ihr Anwendungsgebiet mit jeweils 3 Veranstaltungen (18 CP) auf Umweltsysteme oder ökonomisch ori-entierte Ökologie zu spezialisieren. Im ersten Fall werden Module aus dem Bereich der marinen Um-weltwissenschaften und der Landschaftsökologie, im zweiten Fall Veranstaltungen aus den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften gewählt. Der Studiengang lässt sich mit 90 Credit Points Informatikanteil und 36 Credit Points, die im Anwendungsbereich erreicht werden, nicht ganz eindeutig dem Typ 1 oder 2 nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Informatik (GI) zuordnen.

Der Masterstudiengang Informatik an der Universität Oldenburg ist zurzeit auf 3 Semester (90 CP) ausgelegt und kann mit der Vertiefungsrichtung Umweltinformatik gewählt werden. Für die Vertiefung stehen insgesamt 2 Module (12 CP) zur Verfügung, wobei auch die Masterarbeit mit Bezug zur Umweltinformatik gewählt werden kann. Den GI-Empfehlungen zu Folge sind Masterstudiengänge der Informatik mit 4 Semestern anzulegen, daher ist auch hier zu sagen, dass der Studiengang in etwa Typ 2 entspricht. Im Zuge einer Reakkreditierung wird jedoch ab dem Wintersemester 09/10 der Masterstudiengang auf 4 Semester angehoben werden. 

Ostwestfalen-Lippe

An der Hochschule Ostwestfalen-Lippe kann der Studiengang Angewandte Informatik mit der Studi-enrichtung Umweltinformatik außer mit einem regulären, auch in einem dualen Studium absolviert werden (Hochschule Ostwestfalen-Lippe). Die Studieninhalte zum Erhalt des Bachelorgrades sind bei beiden Studienformaten identisch. Jedoch wird während des dualen Studiums neben der Hochschulausbildung zusätzlich eine praktische Ausbildung in einem Unternehmen verfolgt. Dabei besteht die Möglichkeit neben dem Bachelor einen IHK-Abschluss zu erwerben. Mit einem festen Anteil von 62 Credit Points im Bereich Informatik entspricht der Studiengang dem Typ 2 nach GI-Empfehlungen. Das Studium bietet einen großen Wahlpflichtbereich und darin viele Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten. So ergeben sich sowohl unterschiedliche Verteilungen auf den Anwendungs- bzw. Informatikbereich, als auch ver-schiedene Möglichkeiten der Vertiefung wie z.B. in räumlicher Planung/Landschaftsplanung, Was-serwirtschaft/-technologie, Stofftransport/-modellierung oder auch in Sondergebieten der Informatik.

Außerdem besteht an der Hochschule die Möglichkeit, einen Master in Environmental Science mit der Studienrichtung „Engineering and Modeling“ zu studieren. Der Studiengang versteht sich als Schnittstelle zwischen Ingenieurwesen und Informatik, besitzt aber einen vergleichsweise geringen Informatikanteil. Da der Titel des Studienganges außerdem nicht auf Informatikinhalte hinweist ist er dem Typ 3 der GI-Richtlinien zuzuordnen.

Birkenfeld

An der Hochschule Trier Umwelt Campus Birkenfeld ist seit dem Wintersemester 2011 ein Bachelorstudiengang Umwelt- und Wirtschaftsinformatik geschaffen worden, der aus den drei Kernbereichen Informatik, Umweltwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre besteht und auch als konsekutives Masterstudium weitergeführt werden kann. Eine Besonderheit ist dem im fünften Semester geplanten Auslandsaufenthalt an einer der Partnerhochschulen des Umwelt-Campus oder dem praktischen Arbeiten in einer Firma vorbehalten. Das Studium schließt mit der Bachelor-Thesis ab, die im siebten Semester verfasst wird.

Der Kernbereich Informatik umfasst typische Fächer wie Programmierung, Datenbanken, und Software-Engineering, außerdem Veranstaltungen zur technischen und theoretischen Informatik. Im Bereich Umweltwissenschaften stehen Ökosysteme und erneuerbare Energien, Recht und Umweltinformationssysteme als Module auf dem Programm; in der Betriebswirtschaftslehre lernen die Studierenden neben den Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre zum Beispiel auch Betriebliche Informationssysteme kennen. Mit einem festen Anteil von 80 CP im Bereich Informatik, 45 CP im Bereich der Umwelt- und Wirtschaftsinformatik spezifischen Inhalte sowie 25 CP im Bereich der interdisziplinären Inhalte entspricht der Studiengang dem Typ 2 nach GI-Empfehlungen. Bachelorthesis (12 CP) Und Kolloquium (3 CP) nehmen zusammen 15 CP ein.